Neue Belege für die beschleunigte kosmologische Expansion

2004-05-19 Anton Rebhan

Nachdem kürzlich das Hubble-Space-Teleskop neue Indizien für die vor einigen Jahren gefundene Beschleunigung der kosmologischen Expansion gefunden hatte, gibt es nun vom Röntgen-Weltraumteleskop Chandra völlig unabhängige Belege durch die Beobachtung von fernen Galaxienhaufen.

Vor etwa 5 Jahren ergab sich bei der Vermessung von speziellen Supernova-Explosionen von Sternen in extrem entfernten Galaxien der Befund, dass die kosmologische Expansion des Universums seit dem Urknall nicht stetig an Geschwindigkeit verloren hat, sondern im Gegenteil seit etwa 6 Milliarden Jahren beschleunigt verläuft. Dieser Befund führte zu einer Revolution im kosmologischen Standardmodell, derzufolge das Universum nur zu einem Viertel aus "normaler" Materie besteht (wovon wiederum etwa 85% sogenannte dunkle, noch komplett unbekannte Materie ist); der größere Teil ist immaterielle "dunkle Energie", die im Gegensatz zu normaler Materie anti-gravitativ wirken kann.

Der Röntgen-Satellit Chandra hat nun eine ganze Reihe von weit entfernten Galaxienhaufen (einer davon ist oben zu sehen) auf ihren Gehalt an intragalaktischem heißen Gas untersucht. Mit Abständen von einer bis acht Milliarden Lichtjahren decken diese einen Großteil der kosmologischen Geschichte ab, die vor etwa 14 Milliarden Jahren mit dem Urknall begann. Unter der Annahme, dass der Gasanteil an der die Haufen zusammenhaltenden Materie für alle Haufen in etwa gleich ist, kann man mit der scheinbaren Helligkeit auf die tatsächliche Entfernung schließen und Abweichungen vom Hubbleschen Expansionsgesetz im Lauf der kosmologischen Zeit rekonstruieren. Das Ergebnis passt recht genau zu den Befunden der Supernova-Beobachtungen und erhärtet somit unabhängig die These der beschleunigten Expansion und die Existenz von dunkler Energie.

Press-Release von Chandra (auf Englisch): Chandra Discovery Sheds Light on Dark Energy
Zum Weiterlesen (auf Englisch): Dark Energy in the Accelerating Universe


Weitersagen: