Schwarze Löcher sind astrophysikalische Objekte, die mit ziemlicher Sicherheit in unserer Galaxis existieren, aber jedenfalls außer Reichweite menschlicher Raumfahrtsmöglichkeiten liegen. Neue theoretische Modelle, die von Teilchenphysikern studiert werden, lassen es zumindest denkbar erscheinen, dass mikroskopisch kleine schwarze Löcher vielleicht schon in wenigen Jahren am CERN in Genf produziert und studiert werden könnten.
Theoretisch sollte es auch mikroskopisch kleine schwarze Löcher geben können, die besonders interessant sind, weil sie nicht nur allesfressende Gebilde sind, sondern auch wieder etwas ausspeien, nämlich die sogenannte Hawking-Strahlung, die umso intensiver wird, je kleiner die schwarzen Löcher sind. Solche Objekte in einem irdischen Labor herstellen zu können schien allerdings bisher gänzlich ausgeschlossen. Die dazu erforderliche Energie ist nach herkömmlicher Lehrmeinung um einen Faktor 1000000000000000 höher als die höchste in den stärksten Teilchenbeschleunigern erreichbare.
In der Ausgabe vom 15. Oktober 2001 erschien nun im renommierten Journal Physical Review Letters ein Artikel von namhaften Physikern (S. Dimopoulos von Stanford und G. Landsberg von der Brown University), in dem allen Ernstes die Möglichkeit untersucht wird, dass es bereits beim 2006 in Betrieb gehenden Beschleuniger LHC (Large Hadron Collider) am CERN in Genf möglich werden könnte, solche mikroskopischen schwarzen Löcher in Proton-Proton-Kollisionen zu erzeugen, die aufgrund starker Hawking-Strahlung sofort wieder zerfallen würden.
Diese atemberaubende Möglichkeit ergibt sich in einigen aktuellen wenn auch spekulativen Theorien, die die Existenz von zusätzlichen räumlichen Dimensionen postulieren, die sich eventuell schon bei den am LHC erreichbaren Energien auftun könnten. Im günstigsten Fall könnten solche mikroskopisch kleine schwarze Löcher mit einer Rate von immerhin einem Zehntel der Produktionsrate der inzwischen bereits entdeckten Top-Quarks - das wäre bis zu 1 schwarzes Loch pro Sekunde am LHC! - erzeugt werden. Das obige Bild zeigt, wie ein produziertes und gleich wieder verpuffendes schwarzes Loch im Detektor aussehen würde. Die Zerfallsprodukte wären in erster Linie Elektronen, Muonen und Photonen, und aus ihrem Studium ließen sich natürlich die zusätzlichen räumlichen Dimensionen und die damit einhergehende radikale Vereinigung von Teilchenphysik und Gravitationstheorie ergründen.
Wenn dies alles auch höchst spekulativ und damit wenig wahrscheinlich ist, ist es doch aufregend, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass bereits in wenigen Jahren ein derart fundamentaler Durchbruch in der theoretischen Physik tatsächlich experimentell ausgelöst werden könnte...
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