Die Belle-Kollaboration, ein internationales Team von Wissenschaftern am japanischen Teilchenlabor KEK in Tsukuba, hat kürzlich die Entdeckung eines neuen, ungewöhnlichen Elementarteilchens bekanntgegeben. Das Teilchen, das die Forscher X(3872) nennen, hat in etwa die Masse des Helium-Atoms und lebt nur ein Milliardstel einer Billionstel-Sekunde bevor es in langlebigere, besser bekannte Teilchen zerfällt. Obwohl diese Lebensdauer nach unseren alltäglichen Begriffen unvorstellbar kurz ist, ist sie doch eine Ewigkeit für ein Elementarteilchen dieser Masse.
Es gibt hunderte Elementarteilchen, und die Entdeckung eines neuen ist normalerweise kein außergewöhnliches Ereignis. Das X(3872)-Teilchen ist jedoch besonders, da es in kein bekanntes Schema zu passen scheint und deshalb für erhebliches Interesse unter Physikern weltweit sorgt. Die Ergebnisse von Belle wurden kürzlich vom CDF-Experiment im Fermi National Accelerator Laboratory in Illinois (USA) bestätigt, wo das X(3872) als "mysteriöses Meson" bezeichnet wird.
"Normale" Mesonen, von denen bereits viele in der Literatur bekannt sind, bestehen aus einem Quark-Antiquark Paar, das von den Farb-Kräften der QCD zusammengehalten wird. Masse und Zerfallseigenschaften des X(3872) passen aber nicht zur Annahme eines Quark-Antiquark Bindungszustandes. Die vorgeschlagenen Erklärungen umfassen Korrekturen an der Theorie der starken Wechselwirkung einerseits und die Deutung des X(3872) als erstes Beispiel für ein Meson neuen Typs, das aus vier statt aus zwei Quarks besteht, andrerseits.
Weitere Informationen: http://belle.kek.jp/


