Zwei US-Wissenschaftler behaupten, die Geschwindigkeit, mit der sich Gravitation ausbreitet, durch die Beobachtung von Gravitationslinseneffekten des Planeten Jupiters bestimmt zu haben. Andere bezweifeln dies.
Massive Objekten lenken das Licht ab und so können sie als Gravitationslinsen wirken. Einstein's Allgemeine Relativitätstheorie, mit der sich dieser Effekt berechnen lässt, konnte über diesen Effekt schon eindrucksvoll getestet werden. Die endliche Ausbreitungsgeschwindigkeit für die Gravitation, die die Allgemeine Relativitätstheorie verlangt, und die Gravitationswellen mit gleicher Geschwindigkeit wie Lichtwellen sich fortpflanzen lässt, spielte bei diesem Effekt bislang keine Rolle.
Am 8. September 2002 konnten die Astrophysiker Sergei Kopeiken (University of Missouri) und Ed Fomolont (National Radio Astronomy Observatory, NRAO) diesen Effekt mit Hilfe des Jupiters betrachten, als dieser innerhalb weniger Bogenminuten vor dem Bild des Quasars J0842+1835 (ein extrem weit entferntes lichtstarkes "quasi-stellares" Objekt) vorbeiflog. Das Bild des Quasars vollführte daraufhin einen minimalen Eiertanz, der mit einer Genauigkeit von 10 Mikro-Bogensekunden ausgemessen werden konnte, wobei Radioteleskope in einem weltweiten Verbund von Hawai über Virgin Islands bis Deutschland zu einem riesigen Gesamtteleskop zusammengeschaltet wurden (Very Long Baseline Array - VLBA). Von der gesamten beobachteten Lichtablenkung von etwa 1 Milli-Bogensekunde gehen etwa 5 % auf dynamische (Retardierungs-) Effekte zurück, die die endliche Ausbreitung von Licht und Gravitation beinhalten. Die berechneten und gemessenen Ablenkungseffekte stimmten nun mit einer Genauigkeit von 1 % überein, womit die Allgemeine Relativitätstheorie glänzend bestätigt werden konnte.
Die Ergebnisse wurden im Jänner 2003 von Kopeiken und Fomalont auf einer wissenschaftlichen Konferenz präsentiert, und die beiden behaupten damit die Geschwindigkeit der Gravitation mit einer Genauigkeit von 1:5 als gleich der Lichtgeschwindigkeit gemessen zu haben - eine sensationelle Sache, nachdem der direkte Nachweis von Gravitationswellen noch Zukunftsmusik ist, ganz zu schweigen von der Messung ihrer Ausbreitungsgeschwindigkeit. Die Messbarkeit der Gravitationsgeschwindigkeit ist zudem von großem Interesse für die theoretischen Physiker, die zur Zeit an alternativen höherdimensionalen Theorien basteln, in denen effektiv die Gravitationsgeschwindigkeit von der Lichtgeschwindigkeit leicht abweichen könnte, und so behauptet Kopeiken auch, den Theoretikern eine Steilvorgabe gegeben zu haben.
Es gibt aber inzwischen Theoretiker, die das bezweifeln. Clifford Will von der amerikanischen Washington University und Hideki Asada von der japanischen Hirosaki University haben die dynamischen Effekte der Lichtablenkung eingehender studiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass in diesen die Gravitationsgeschwindigkeit nicht wie von Kopeiken angenommen in der ersten Ordnung, sondern erst in der noch nicht beobachtbaren zweiten Ordnung eingeht. Kopeiken und Fomolont hätten demnach nur eine etwas grobe Messung der Lichtgeschwindigkeit geschafft, allerdings über extrem feine, allgemein-relativistische Effekte.
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