Kopf des Monats: Johanna Knapp über ihre Sommerstudentenzeit am CERN und mehr
Hallo! Mein Name ist Johanna Knapp, ich studiere Physik an der TU-Wien und habe gerade das 6. Semester beendet. Derzeit mache ich am CERN in Genf ein Sommerpraktikum am NA48 Experiment. Studenten wie ich haben die Aufgabe im Schichtdienst die Komponenten Österreich zu überwachen.
Die Arbeit im Bereich Hochenergiephysik ist für mich etwas Neues, weil ich mich bisher im Rahmen meines Studiums mehr mit theoretischer Physik beschäftigt habe. Die Arbeit hier finde ich sehr interessant, dennoch glaube ich, dass ich meine Karriere doch weiter in Richtung Theorie lenken werde. Das Physikstudium gefällt mir bis jetzt bestens, auch wenn es am Anfang recht schwierig war, da meine Schulausbildung nicht auf Naturwissenschaften ausgerichtet war. Auch wenn mein Nachholbedarf an Mathematik am Anfang des Studiums ein großes Hindernis war, bereue ich es nicht mich während meiner Schulzeit mehr auf Fremdsprachen konzentriert zu haben. Gute Sprachkenntnisse sind hie am CERN mit Sicherheit ein Vorteil. Welche Richtung in der theoretischen Physik ich einschlagen werde, weiß ich noch nicht genau. Derzeit bin ich sehr an Quantenfeldtheorie interessiert, ich möchte aber auch auf jeden Fall mehr über Stringtheorien lernen.
Wie oben erwähnt arbeite ich diesen Sommer am NA-48 Experiment. Ein Ziel des Experiments ist es Teilchenzerfälle, wie sie vom Standardmodell vorhergesagt werden zu untersuchen. NA48 untersucht Zerfälle von Kaonen und Hyperonen. Diese Teilchen zerfallen sehr schnell wieder in andere, die im NA48 Detektor nachgewiesen verden können. Dieser füllt eine ganz Halle, und ich war entsprechend beeindruckt, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Im Detektor wird eine sehr große Zahl von Zerfällen registriert, die nicht alle für das Experiment interessant sind. Der Trigger, ein komplexes System aus Hard- und Software, filtert die interessanten Zerfälle heraus. Das Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) in Wien ist an diesem System beteiligt. Die Wiener sind für den neutralen Trigger zuständig - ein System, das neutrale Teilchen registriert. Die elektronischen Komponenten aus Österreich bilden ein Glied in der langen Kette der Datenerfassung. Fallen sie aus, werden die nachfolgenden Systeme nicht mit Daten versorgt und das Experiment funktioniert nicht richtig. Deshalb machen Studenten Schichdienst um Fehler so schnell wie möglich zu erkennen und gegebenenfalls zu beheben. Es ist wichtig zu bemerken, dass die Elektronik aus Österreich äußerst effizient und zuverlässig arbeitet.
Hier ein Bild des NA48-Detektors:
Neben meiner Schichtarbeit habe ich auch die Gelegenheit die CERN Summer Lectures zu besuchen. Hier gibt es für einen Studenten großartige Möglichkeiten sich weiterzubilden und praktische Erfahrungen abseits der Universität zu sammeln. Ein Praktikum am CERN ist also in jedem Fall empfehlenswert. Es ist natürlich auch wichtig zu erwähnen, dass der Raum Genf sowohl landschaftlich als auch bezüglich Freizeitgestaltung keine Wünsche offenlässt.
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