Neues von der Suche nach dem Heiligen Gral primordiale Gravitationswellen

2015-02-05 Anton Rebhan

Nach der voreilig behaupteten Entdeckung primordialer Gravitationswellen veröffentlichte das BICEP2-Experiment nun zusammen mit dem Europäischen PLANCK-Satellitenexperiment obere Schranken zu deren möglicher Stärke.

Eine inflationäre Epoche am Beginn unseres Universums sollte charakteristische Spuren im kosmischen Mikrowellenhintergrund hinterlassen, die B-Moden genannt werden. Deren Stärke gäbe unmittelbar Hinweise auf die Energieskala, bei der sich die kosmologische Inflation abgespielt hat. Im März 2014 verkündete das am Südpol stationierte BICEP2-Experiment mit übertrieben großem medialen Echo (wir berichteten nicht) die Entdeckung von B-Moden in einem Himmelsbereich, wo vernachlässigbare Störungen durch die Milchstraße angenommen wurden, und interpretierte diese Ergebnisse als Beweis von kosmologischer Inflation bei Energieskalen, wie sie von GUT-Theorien typischerweise angenommen werden. Leider stellte sich in der Folge heraus, dass der störende Hintergrund, der vom Europäischen PLANCK-Satelliten bestimmt werden kann, unterschätzt wurde. PLANCK veröffentlichte im Herbst 2014 Daten, die der behaupteten Entdeckung primordialer Gravitationswellen den Todesstoß versetzten, kündigte aber eine gemeinsame Analyse der BICEP2-Daten an. BICEP2 erreicht bei B-Moden nämlich eine weit höhere Sensitivität als PLANCK. Das Ergebnis der gemeinsamen Analyse liegt nun als e-print vor. (Statt dem ursprünglich behaupteten r-Wert von ca. 0.2 wird nun eine obere Schranke von 0.12 festgestellt.)

Die Suche nach diesem speziellen Heiligen Gral geht allerdings unvermindert weiter. Etliche neue Experimente sind in Vorbereitung, die Messungen bei mehreren Frequenzen und damit eine Separation des störenden Hintergrunds erlauben. Es ist also noch nicht ausgeschlossen, dass es in naher Zukunft zu der spektakulären Entdeckung kommt, die 2014 voreilig hinausposaunt wurde.

Link: B-modes: what's next


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