ICARUS findet keine Überlichtgeschwindigkeit von Neutrinos

2012-03-18 Anton Rebhan

Nachdem am OPERA-Experiment eine mögliche Fehlerquelle entdeckt worden war, die die zuvor gemessene Überlichtgeschwindigkeit von Neutrinos in Frage stellte, liegt nun vom Konkurrenzexperiment ICARUS ein Messergebnis vor, das exakt mit Lichtgeschwindigkeit übereinstimmt.

Die OPERA- und ICARUS-Kollaboration betreiben beide unterirdische Experimente im Inneren des italienischen Bergmassivs Gran Sasso mit einem am 730 km entfernten CERN-Beschleuniger produzierten Neutrinostrahl. Bislang hatte nur die OPERA-Kollaboration die Geschwindigkeit der Neutrinos mit GPS-Methoden vermessen und 2011 das spektakuläre Ergebnis erhalten, dass Neutrinos ein wenig schneller als das Licht sein sollte - was mit den Postulaten der speziellen Relativitätstheorie Einsteins in eklatantem Widerspruch stand. Der Anfangsverdacht, dass sich in der statistischen Datenanalyse ein Fehler eingeschlichen haben könnte, wurde zwar durch ein Kontrollexperiment mit extrem kurzen Neutrinoimpulsen ausgeräumt, aber es wurde dabei auch deutlich, dass das Ergebnis gerade mal eine Zeiteinheit (50 ns) der Atomuhr im OPERA-Experiment ausmachte. Im Februar dieses Jahres fanden die Physiker des OPERA-Experimentes, dass eine fehlerhafte Kabelverbindung zu einem Fehler in der Synchronisation dieser Atomuhr verursacht haben könnte, und dass das Experiment wiederholt werden müsse.

Das benachbarte ICARUS-Experiment kam ihnen nun zuvor, und veröffentlichte eigene Messungen der Neutrinolaufzeit, die dem OPERA-Experiment widersprechen und innerhalb der experimentellen Fehler komplett mit der Lichtgeschwindigkeit zusammenpassen.


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