Exkursion zum weltgrößten Teilchenbeschleuniger

2010-03-01 Patrick Jussel

Diesen Februar hatten 35 Physikstudenten und -studentinnen der Universität Innsbruck die Gelegenheit, das CERN und den Large Hadron Collider aus nächster Nähe zu betrachten. Diana Habicher, eine der Studentinnen, berichtet von diesem mehrtägigen Ausflug ans CERN.

Montagmorgen 7.45 Uhr: Eine Gruppe von Studenten steht in Innsbruck an einer Bushaltestelle und wartet. Hier und da treffen noch einige verschlafene Nachzügler ein bis schließlich ein Reisebus vorfährt. Ziel der wartenden Reisegruppe soll am Ende des Tages die Stadt Genf sein, in der die Organisation CERN seit dem Jahr 1953 ihren Sitz hat. Warum gerade CERN? Die Studentengruppe besteht ausschließlich aus Physikern, die dem Mysterium CERN in den nächsten drei Tagen auf den Grund gehen wollen. Geplante Ankunft in Genf: ca. 17 Uhr.


Der "Globe de la science et de l'innovation", ein Geschenk der Schweiz zum 50. Geburtstag des CERN.

Ein zuverlässiger Busfahrer und der ruhige Verkehr sorgen für Überpünktlichkeit. Es bleibt ein wenig Zeit für die ersten Eindrücke von Genf, bevor das gut gefüllte Exkursionsprogramm laut LOS schreit… Ein sehr abwechslungsreicher Vortrag über die Geschichte und allgemeine Datenpfeiler des CERN, sowie seine Aufgaben und Experimente macht den Anfang, die Wissenslücken zu füllen. Dem folgt eine 3D-Beamervorstellung mit einem Film über den Bau des weltweit größten Teilchenbeschleunigers: dem LHC mit seinen Detektoren. Im Vorbeimarsch kann am Ende sogar ein Blick in das Kontrollzentrum des ATLAS-Detektors geworfen werden, welches durch Dan Browns verfilmtes Buch „Illuminati“ ja nur allzu bekannt geworden ist.


Der Kontrollbereich der DAQ, Data acquisition, mit Maskottchen.

Tag 2. Vollgestopft vom Frühstück in der Herberge, aber frisch und munter setzen sich die Innsbrucker wieder in Gang Richtung CERN. Der erste Programmpunkt wird die Besichtigung des Proton-Synchrotron (PS) sein – ein Vorbeschleuniger für Protonen, bevor sie in den LHC gelangen, sowie Produktionsstätte für Antiprotonen und Antiwasserstoff. Der Kreisbeschleuniger ist gerade noch „klein“ genug, um einmal eine Runde entlang zu laufen (natürlich gibt es auch hier viele wichtige Infos!), bevor man erfährt, welche Experimente demnächst starten werden, zum Beispiel: Verhalten sich Antiprotonen genauso wie Protonen im Schwerefeld der Erde?

Der Vormittag beinhaltet außerdem die Besichtigung des Computer Centers am CERN. Natürlich gibt es einführende Worte über die Größe des Centers, die zu verarbeitenden Datenmengen und die beteiligten Rechenzentren in ganz Europa. Die vom LHC produzierten Daten werden an Ort und Stelle vorsortiert und dann an entsprechende Einrichtungen weitergeleitet, da das Computer Center am CERN selbst nicht in der Lage wäre, die gewaltigen Datenmengen allein zu bewältigen. Allein der Anblick der Serverhalle vom zweiten Stock aus lässt vermuten, welche Kapazitäten tatsächlich benötigt werden, um dieses gigantische Projekt zu verwirklichen. Selbst alltägliche Rechnerarbeiten wie Emails speichern bedürfen einem unglaublich hohen Administrationsaufwand.

Mittagspause: Selbstverständlich wird am CERN im Mitarbeiter-Restaurant gegessen. Wer sich nicht auskennt, kann sich hier schnell verlaufen und auch die Wahl für ein Essen fällt schwer bei der riesigen Auswahl! Aber dann: hmmmm... lecker! Nach einer guten Stunde Mittagspause geht es für die Studenten mit dem Bus weiter… nach Frankreich. Auf der französischen Seite des CERN-Geländes befindet sich das Hauptkontrollzentrum des Projekts. Von hier aus wird einfach alles beobachtet. Leider gilt auch hier ein Zutrittsverbot, aber durch die Fenster eines Konferenzraumes ist der Gesamtüberblick allemal besser. Das Kontrollzentrum ist wie vierblättriger Klee aufgebaut, wobei jedes Kleeblatt eine bestimmte Kontrollfunktion übernimmt.

Der Kontrollraum des Large Hadron Colliders.

Zurück in der Schweiz sieht der letzte Programmpunkt vor, die Testhallen für die LHC-Magnete zu erkunden. Neben den wirklich interessanten Fakten, wie die Magnete aufgebaut sind, ist allein die Halle für sich mit ihren Hebekränen und sonstigem Inventar beeindruckend. Außerdem kann auch der Auslöser für den großen Crash 2008 ergründet werden (auch wenn dies nur Hypothesen sind, da der Ausgangspunkt mehr oder weniger ausgelöscht wurde).


Testhalle der LHC Magnete.

Da bis zum Abend noch Zeit geblieben ist, bildet eine Ausstellung im Empfangshaus des CERN einen gemütlichen Abschluss nach einem langen und spannenden Tag. Anschaulich wird dort erklärt, in welchem Themengebiet geforscht wird, welche Ziele sich CERN einst setzte, welche es bereits erreicht hat und welche Projekte wie in die Wirklichkeit umgesetzt wurden. Der zweite Tag klingt für die junge Studentengruppe bei einem obligatorischen und sehr schmackhaften Käsefondue am Genfer See aus. Der dritte Tag besteht aus frei verfügbaren drei Stunden für eine Stadtbesichtigung sowie der Heimreise... am Mittwochabend um 20 Uhr trifft ein Reisebus an einer Haltestelle in Innsbruck ein. 35 erschöpfte Physikstudenten verlassen den Bus und begeben sich auf den Heimweg. (Diana Habicher)


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