Am CERN werden am 8. März, dem internationalen Frauentag, die Fortschritte der Gleichberechtigung unter den Forschern gefeiert. Mehr und mehr weibliche Wissenschaftler arbeiten in den CERN Experimenten, übernehmen Führungspositionen und treten damit in die Fußstapfen von Lise Meitner, einer Wegbereiterin der Frauen in der Naturwissenschaft (siehe Bild).
Als ein Beispiel für einen steigenden Anteil von Frauen in der Wissenschaft kann man das ATLAS Experiment nennen. Von den insgesamt über 2200 WissenschaftlerInnen sind derzeit etwa 350 weiblich, also beinahe 16%. Mit 40% ist der Frauenanteil in der Türkei und in Rumänien am höchsten, unsere südlichen Nachbarn sind mit 23% auch über dem Durchschnitt. Deutschland verfehlt dieses Ziel mit 11% knapp, Österreich hat mit 5% einen sehr geringen Frauenanteil.

Der ATLAS Control Room
(Bild: Doris Chromek-Burckhart)
Wie man der Statistik im unteren Bild entnehmen kann, sinkt der Frauenanteil mit zunehmendem Alter. Die Physikerinnen unter 50 Jahren stellen so einen Anteil von 21% der WissenschaftlerInnen im ATLAS Experiment. Mit 26-37% ATLAS ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen (Management und Koordination) bereits hoch, die Tendenz ist weiterhin steigend.

Anteil der Frauen im ATLAS Experiment nach Alter gestaffelt
(Bild: Pauline Gagnon)
Nicht nur beim ATLAS Experiment ist der österreichische Frauenanteil niedrig, auch die heimischen Universitäten können bei allen technischen Berufen nicht gerade punkten, Tendenz ist aber leicht steigend. Seit ein paar Jahren gibt es einige Initiativen, die junge Frauen bei der Berufswahl unterstützen. Frauen in der Technik (FIT) war eine davon, die als Kontaktverbindung zwischen Schule und Universität fungiert hat. FIT hat u.a. Schülerinnen die Möglichkeit geboten, auf der Universität direkt mit weiblichen Professorinnen und Studentinnen zu sprechen und damit auch frauenspezifische Fragen zu stellen, mit denen - so hat unsere jahrelange Teilnahme an diesem Projekt gezeigt - sich Schülerinnen schon bei der Wahl des Studiums beschäftigen. Dieses Projekt wurde leider für nächstes Jahr vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur nicht mehr verlängert (mehr www.fitwien.at oder auch www.dieuniversitaet-online.at).
Im Rahmen des Girls Day können sich Mädchen im Alter von 13-15 Jahren an den Universitäten über den Beruf Physikerin informieren. Mehr Informationen zu den entsprechenden Veranstaltungen in den verschiedenen Bundesländern gibt es auf der offiziellen Homepage.
Auch die Österreichische Physikalische Gesellschaft (ÖPG) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) möchte Physikerinnen sichtbar machen und organisiert dazu jährlich Gastvorträge im Rahmen der Lise Meitner Lectures (dieses Jahr in Innsbruck und Göttingen am 25.-29. Okt. 2010) und die Wanderausstellung "Role Models - Lise Meitners Töchter", die online auf dieser Homepage zu finden ist.
CERN, der Geburtsort des WWWs, das eine gesellschaftliche Veränderung ohne Vergleich bewirkte, hat bereits einige wichtigen Schritte zur Veränderung der Rollenverteilung unternommen, und wird diesen Weg hoffentlich weiter erfolgreich beschreiten. (Beatrix Hiesmayr, Patrick Jussel)
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