Junge ForscherInnen bringen Licht und Knall in die Welt der Naturwissenschaften – mit Profi-Forschern unterwegs

2009-09-30 Laurenz Widhalm

Ein Gastartikel von VD Sylvia Mertz und DI Marko Dragicevic

Bunte Heliumsballons mit vielen Wünschen von 140 jungen Forscherinnen und Forschern , die im strahlenden Himmel über Perchtoldsdorf aufsteigen… ein hochrangiger Universitätsprofessor, der den Startschuss gibt und gebannt gemeinsam mit den Kindern die Flugrichtung verfolgt, in seine Welt der Teilchen… Irgendwo wird der Wunsch eines jungen Forschers wieder zu Boden sinken- vielleicht als Samenkorn um die Welt zu verändern?

„Wir sind hier, weil wir staunen, spüren und sehen, weil wir wissen WOLLEN und verstehen wie das alles funktioniert“, ist der Refrain des Forschersongs, der lautstark bei der Eröffnung ertönt.

Das Schulzentrum Roseggergasse, Perchtoldsdorf ist für die erste Juliwoche Forschungsraum für die vielen wissbegierigen und erlebnishungrigen Kinder, den Gesetzen der Naturwissenschaften auf der Spur: Barbie gegen Pipette getauscht, Computerspiel gegen Mikroskop. Dann ab ins volle Forschungsabenteuer – spannende Lernszenarien tun sich auf. Mit großem Forschungseifer beobachten, experimentieren, und vergleichen die jungen Talente, stellen Fragen, entwickeln ein Gefühl für Details und stoßen auf „Aha-Erlebnisse“. „Es ist einfach urcool im Chemiesaal“, so ein begeisterter Junge. „Es macht riesen Spaß im Team zu forschen!“ „Wow, hätte ich nicht gedacht!“ ist unter den jungen Forscherinnen und Forschern zu vernehmen.

Entsprechend ausgelassen und erwartungsvoll ist manchmal die Stimmung, sowohl bei den Kindern als auch bei den engagierten KursleiterInnen, die mit viel Know how und Einfühlungsvermögen den Kindern zur Seite stehen. Über die verschiedensten Methoden wie Forschen, Entdecken, Aktions- und Wahrnehmungsspiele sowie kreativen Elementen wird der Zugang zur Naturwissenschaft gestärkt und vertieft. „Das kontinuierliche Einlassen in den Prozess des Forschens sowie das Einbinden von Profi-Forschern gewähren die Nachhaltigkeit des Projekts in Hinblick auf seine pädagogischen und sozialen Zielstellungen“, so die Projektleiterin.

„Was macht denn ein Physiker?" war eine der beliebtesten Fragen, die die wissbegierigen Jungforscher an Wissenschafter des Instituts für Hochenergiephysik (HEPHY) stellten. Durch den Kontakt zu Menschen, die ihre Neugier zum Beruf gemacht haben, wird für die Kinder der Forschertage das Berufsbild des Wissenschafters greifbar.

"Ich will Fußballspieler werden!" war eine der begehrtesten Berufswünsche der JungforscherInnen. Die Kinder konnten in Gesprächen auch abseits der Wissenschaft erkennen, dass Forscher auch ganz normale Menschen sind. Sie teilen sogar eine besondere Eigenschaft mit den Kindern: Wissenschafter haben ihre kindliche Neugier auch als Erwachsener nicht abgelegt!

"Ich will auch Physiker werden!" war einer der Sätze die HEPHYaner gegen Ende ihres Besuchs von ihren eifrigen Nachwuchswissenschaftern hörten. Das gemeinsame Erforschen und Begreifen hilft, dass veraltete Bild des unverständlichen und langweiligen Professors aus dem Elfenbeinturm abzubauen. Kinder begreifen Forschung als kreativen und spannenden Prozess und Wissenschafter als neugierige aber ganz normale Menschen.

"Kommst du uns wieder besuchen?" hörte man da einem HEPHYaner am Ende seines Besuches fragen. Die Antwort kann nur "Unbedingt!" lauten! Für die Physiker, die der österreichischen Akademie der Wissenschaften angehören, ist der Kontakt zu den jüngsten unter den Neugierigen sehr wichtig. Denn es sind Kinder, die durch ihre vorurteilsfreie Herangehensweise immer wieder zu neuen Sichtweisen anspornen. Die enge Vernetzung von Kindern und Wissenschaftern spiegelt die emotionale Verbundenheit mit dem Wissen der Mentoren wider. So profitieren Kinder und Wissenschaft von der Begegnung bei den Perchtoldsdorfer Forschertagen.

Die überaus fantastische „Reise zum Urknall“, als Beginn einer aufregenden Entdeckungsreise in die Welt der Teilchen – eine Ausstellung, von Hephy zur Verfügung gestellt - lässt die Kinder in Neuland eintauchen, das die Dimension ihrer Erlebniswelt sprengt und auch deren Eltern mitbegeistert. Das Mentoring von Univ. Prof. Dr. Christian Fabjan, Direktor des Instituts für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – er arbeitet seit langer Zeit am CERN in Genf – verleihen den Forschertagen einen internationalen Touch. Sylvia Mertz, Projektleiterin und Schulleiterin der VS Roseggergasse hat das wissenschaftserlebnispädagogische Projekt konzipiert und ins Leben gerufen. Als Veranstalter fungiert die Marktgemeinde Perchtoldsdorf.

Die Forschungsergebnisse werden im Rahmen einer eindrucksvollen Schlusspräsentation mit Museumsgang den neugierigen Gästen als „Wissenschaftscocktail“ aufgetischt. Die interessierten BesucherInnen können vor der Verleihung der Urkunden noch einen längeren Blick auf die Photoshow werfen ehe lauthals der Forschersong als Höhepunkt des gemeinschaftlichen Miteinanders erklingt. Spätestens jetzt ist vielen jungen Forscherinnen und Forschern gewahr: Wir sind hier, weil wir WISSEN und VERSTEHEN, wie das alles funktioniert….! Viele wissen vielleicht nicht, dass sie durch ihr Erlebtes von einem Menschenbild geprägt sind, das ihnen den Zugang ermöglicht in die „Welt der kleinen Teilchen“, die tief im Menschsein verankert ist.

Marko als anwesender Profi-Forscher weiß es ganz genau ………ein Schnappschuss, ein freudiges Händeschütteln mit seinen jungen Fans, ein warmer Händedruck mit der Projektleiterin und der „Forschertrank“ als Dankeschön, ein Abschiedslächeln und ein letzter „Forschergruß“ - eine Brücke zwischen den jungen Perchtoldsdorfer Forscherinnen und Forschern und den HEPHY-Experten ist gebaut!


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