Schöne Bescherung: Budget des Fermilab drastisch gekürzt

2007-12-26 Anton Rebhan

Knapp vor Weihnachten beschloss der US-amerikanische Kongress nach einer Veto-Drohung von Präsident Bush ein stark gekürztes Wissenschaftsbudget für das Jahr 2008, das vor allem die Hochenergiephysik, insbesondere das Fermilab empfindlich trifft: die Entwicklungsarbeit am ILC (International Linear Collider) muss dort de facto komplett eingestellt werden, ebenso das Neutrino-Forschungsprogramm NOvA, und ein Zehntel der Angestellten des Fermilab verlieren ihren Job. Eventuell muss auch der Betrieb des Tevatron zeitweilig still gelegt werden.

Noch Anfang 2007 war eine Initiative, die Mittel für die physikalische Forschung zu verdoppeln, auf gutem Weg und im ursprünglichen Budgetentwurf waren auch Erhöhungen der Mittel für die Hochenergiephysik und für die Entwicklung des ILC, die in den USA vor allem am Fermilab stattfindet, vorgesehen. Weil etliche zusätzliche Programme, die der Kongress im Laufe des Jahres bewilligt hatte, den Budgetrahmen schließlich sprengten, kam nun am Ende eine drastische Kürzung vor allem für die Fusionsforschung (ITER) und die Hochenergiephysik heraus, die hauptsächlich das Fermilab bei Chicago treffen.

Für den ILC ist dies nach einer Entscheidung des britischen Science and Technology Facilities Council (STFC), Investitionen in den ILC zu stoppen,* ein weiterer Tiefschlag. Das vom Kongress bewilligte Budget für das neue Budgetjahr (das schon im Herbst begann) beträgt 15 statt 60 Millionen Dollar, und dieses Budget ist auch bereits zur Gänze aufgebraucht, sodass die Entwicklungsarbeit nun sofort eingestellt werden muss. 200 von 1900 Angestellten des Fermilab verlieren nun ihren Job, und auch die laufende Suche nach dem Higgs-Teilchen am Fermilab scheint bedroht, nachdem weitere 45 Millionen Dollar bei anderen Hochenergiephysik-Posten gestrichen wurden. Nur die Fusionsforschung in den USA wurde noch stärker gekürzt - das ITER-Projekt in Frankreich ist damit allerdings nicht gefährdet, da es von den anderen Nationen weitergetragen wird. Für die Hochenergiephysik, zumindest in den USA, sind diese Kürzungen hingegen nahezu existenzbedrohend.

*Hintergrund der britischen Entscheidung ist ebenfalls eine Krise im dortigen Wissenschaftsbudget: Das STFC war vor einem Jahr durch Zusammenlegung des Particle Physics and Astronomy Research Council mit dem Council for the Central Laboratory of the Research Councils entstanden. Wissenschaftsminister Wick hatte dazumal noch versichert, dass die Grundlagenforschung nichts zu befürchten hätte. Dann stellte sich aber heraus, dass das halbkommerzielle Diamond Synchrotron bei Oxford ein Budgetloch von 80 Millionen Pfund (mit-)verursacht hatte, dem dann das ILC (sowie das Gemini-Teleskop und Gammastrahlenastronomieprojekte) zum Opfer fiel.

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