Borexino, ein neues Sonnenneutrinoexperiment im Inneren des italienischen Gran-Sasso-Gebirges wurde am 15. Mai fertiggestellt und begann sogleich mit der Datennahme, nämlich der Vermessung der Be-7 Sonnenneutrinos, mit Hilfe derer weitere Evidenz für die Neutrino-Oszillationen gesammelt werden soll.
Der Detektor des Borexino-Experimentes besteht aus einer riesigen Edelstahlkugel mit Photomultipliern, im Inneren derer eine 300 Tonnen Szintillatorflüssigkeit einschließender Nylonballon mit 8.5 m Durchmesser und 0,1mm Hautdicke eingebracht ist (in obigem Bild wird dieses überdimensionale Nylonsackerl gerade installiert - zum Vergrößern bitte anklicken). Dieser Ballon ist von einer abschirmenden Flüssigkeit umgeben und wird von 2.200 Photomultipliern beobachtet. 200 Photomultiplier halten dabei Ausschau nach unerwünschter ionisierender kosmischer Strahlung (Muonen), die trotz der Abschirmung durch das umgebende Bergmassiv in das Untergrundexperiment eindringen und deren Zerfallsprodukte von den praktisch ungehindert hereinkommenden Sonnenneutrinos unterschieden werden müssen.
Frühere Untergrund-Experimente hatten schon vor längerer Zeit ein Defizit von Sonnenneutrinos entdeckt und in der Folge als Ergebnis von Oszillation der verschiedenen Neutrino-Arten untereinander erklären können. Viele Details dieser Oszillationen konnten bereits weitgehend aufgeklärt werden, insbesondere durch das MiniBooNE-Experiment (wir berichteten kürzlich), aber nach wie vor ausständig sind Untersuchungen von relativ niederenergetischen Sonnenneutrinos. Dies wird nun durch das Borexino-Experiment möglich (für Experten: Schwellenenergie 250 keV), zusammen mit einigen anderen bisher unzugänglichen Fragestellungen wie der Nachweis von niederenergetischen Antineutrinos von Supernova-Explosionen oder auch von terrestischen Antineutrinos.
Link: BOREXino Experiment Home Page
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