Erste Spuren eines supersymmetrischen Higgs-Teilchens?

2007-01-30 Anton Rebhan

Am Tevatron, dem derzeit energiereichsten Teilchenbeschleuniger, der in Betrieb ist, wurde bei der Auswertung der neuesten Daten ein Überschuss an tau-Leptonpaaren beobachtet, der auf ein supersymmetrisches Higgs-Teilchen mit einer Masse von etwa 160 Protonmassen hindeuten könnte.

Auf einer kürzlich in Aspen stattfindenden Teilchenphysikertagung wurden die Produktionsraten von tau-Leptonpaaren bei Proton-Antiprotonkollisionen bei einer Energie von knapp 2 TeV präsentiert, und die kleine Abweichung von den Standardmodell-Vorhersagen, die sich dabei fand, erzeugte ein enormes Interesse, obwohl die offizielle Schlussfolgerung lautete: "No significant excess of events above the SM backgrounds is observed."

Der Überschuss ist etwas mehr als 2 Standardabweichungen und reicht somit kaum dafür aus, von erster Evidenz zu sprechen (Entdeckungen gelten überhaupt erst ab 5 Standardabweichungen als gesichert), und kann somit leicht eine bloße statistische Fluktuation in den Messdaten sein. Andererseits würde alles wunderbar zu einer supersymmetrischen Erweiterung des Standardmodells passen, auf das viele Teilchenphysiker ihre Hoffnungen setzen. Entsprechend groß war die Aufregung, die sich in manchen Blogs der Teilchenphysiker nachlesen lässt:
A 2.1 sigma excess of MSSM Higgs!
Bump hunting (1)
Bump hunting (2)

Dem LHC am CERN würde mit einer solchen Entdeckung zwar einiges vor der Nase weggeschnappt werden, andererseits wäre es aber erst der Beginn einer Flut an weiteren Entdeckungen, die ins Haus stünden, wenn tatsächlich Supersymmetrie bei diesen Energieskalen im Spiel sein sollte. Jedenfalls könnte der am Tevatron gefundene Überschuss an tau-Leptonpaaren nicht mit einem "gewöhnlichen" Higgs-Teilchen erklärt werden, falls er sich erhärten sollte.


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