Bei Wartungsarbeiten am Super-Kamiokande Neutrino-Detektor vernichtete ein Unfall mehr als die Hälfte der Photomultiplier, mit denen in den letzten Jahren spektakuläre neue Erkenntnisse über die mysteriösen Neutrinos erspäht wurden.
Das "Super-K"-Experiment besteht aus einem Tank gefüllt mit 50.000 Tonnen Wasser tief unter dem Berg Ikena 240km nordwestlich von Tokyo. Die Wände dieses Tanks sind mit 11.200 Photomultiplier-Detektoren gepflastert, deren Aufgabe es ist, die blauen Lichtblitze aufzunehmen, die als Tscherenkow-Strahlung freigesetzt werden, wenn Neutrinos mit Elektronen zusammenstoßen. Das passiert zwar extrem selten, aber gerade oft genug, um damit die Neutrinos studieren zu können, die aus dem Weltall kommend auf die Erde treffen. Einige dieser Neutrinos entstehen dabei erst in der Erdatmosphäre, und über dabei auftretende Anomalien konnte 1998 recht überzeugend nachgewiesen werden, dass die Neutrinos eine kleine Masse haben, während sie bis dahin für masselos gehalten wurden. Zuvor war schon bei den von der Sonne kontinuerlich emittierten Neutrinos eine Diskrepanz mit theoretischen Modellen beobachtet worden.
Am 12. November 2001 war es nun beim Wiederbefüllen des Tanks nach routinemäßigen Wartungsarbeiten zu einem kettenreaktionsartigen Zerplatzen von mehr als die Hälfte der Photomultiplier-Röhren gekommen, wobei die Schockwellen von den zuerst geplatzten Röhren zu weiteren Implosionen und weiteren Schockwellen geführt haben, bis mehr als die Hälfte der Detektoren vernichtet waren.
Innenansicht des Super-K vor (oberes Bild) und nach (unteres Bild) des katastrophalen Unfalls. (Anklicken des Bildes leitet auf detailliertere Bilder auf der Super-K home-page weiter.)
Der Schaden beläft sich auf einige zehntausend Millionen Euros und wird die Neutrinoforschung um mindestens ein Jahr zurückwerfen. Insbesondere ein neues Experiment mit Namen K2K, in dem ein in einem Beschleuniger bei Tokyo erzeugter Neutrinostrahl auf Super-K gerichtet wird, ist damit vorerst gestoppt, nachdem bereits erste aufregende aber noch nicht gesicherte Ergebnisse daraus hervorgegangen waren.
Mehr über Super-K und die neuen Erkenntnisse über Neutrinomassen (in Englisch)
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