Polemik: Österreichs Wissenschaft im Scientist!

2004-02-27 Daniel Grumiller

Es kommt nicht oft vor dass österreichische Grundlagenforschung in dem bekannten Wissenschaftsjournal "Scientist" erwähnt wird. Man darf sich also glücklich schätzen, dass dies vor kurzem wieder einmal gelungen ist. Der Anlass ist dann fast nebensächlich, soll aber doch erwähnt werden: Österreich trägt zur Reduktion des sog. "brain-drain" Problems anderer Staaten durch Export von Spitzenfachkräften bei!

Auf welche Art und Weise schafft dies ein so kleines Land wie Österreich? Wie wir im Sommer 2003 mehrfach berichteten, wurden die Mittel des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) drastisch gekürzt. Trotz unserer Artikel hat sich die Situation bis dato nicht gebessert. Wir sind zuversichtlich, dass auch dieser Artikel zur Beibehaltung des status quo beiträgt.

Vielleicht ist Zynismus unangebracht, denn schliesslich wurden sogar kurzfristig die finanziellen Nöte des FWF auf geniale Weise gelindert: durch Ausgeben eines Teils des 2004er Budgets! Never change a winning strategy - das hat schon beim Nullbudget so toll geklappt.

Raunzen bringt natürlich nichts - erstens haben wir das schon versucht, und zweitens sollten wir vielleicht die Dinge nicht immer so negativ betrachten - anstatt zu sagen "Es ist furchtbar - das FWF-Budget ist gegenüber 2002 von 92 Mio. Euro auf 76 Mio. Euro gefallen" sollten wir vielmehr festhalten "Es ist erfreulich - auf Grund der Umstrukturierungen auf den Weltklasseuniversitäten ist die Antragsquote beim FWF um ca. ein Fünftel gestiegen!". Anstatt zu monieren "Es ist ein Wahnsinn! Derzeit gibt es keine Perspektive für junge Wissenschafter - sogar Projekte die von internationalen Gutachtern mit 'exzellent' beurteilt werden müssen teilweise abgelehnt werden!" sollten wir uns darüber freuen, dass die Ablehnungsrate von 50 auf 70 Prozent gestiegen ist - das garantiert die Qualität. Vielleicht werden wir ja sogar bald Weltspitze bei den Ablehnungsraten! Auf diese Weise ensteht ein komfortabler Selektionsdruck der direkt aus Österreich herausführt. Der Wissenschafter im 21. Jahrhundert wird wieder ein Nomade sein: ein freier Mensch. Für eine gute Arbeit zieht er meilenweit.

Österreich reduziert also das "brain-drain" Problem anderer europäischer Staaten und der USA - wir sollten daher nicht harte und politisch unkorrekte Formulierungen wie "Vertreibung von jungen Forschern" verwenden, sondern vielmehr von einem "Export von Spitzenkräften" sprechen.

Als Kontrapunkt zu dem polemischen Stil dieses Artikels folgt jetzt eine umfassende und nüchterne Liste mit Links:


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