Der FWF erlebt heuer eine der ärgsten Finanzkrisen seit seinem Bestehen. Das Budget geht im Vergleich zum Vorjahr um fast 20% zurück, was den FWF veranlasst hat, faktisch keine neuen Projekte mehr zu bewilligen, um die Liquidität nicht zu gefährden. Ist das der wahre Beginn der Forschungsoffensive?
Bereits im Vorjahr musste der FWF erstmals in seinem Bestehen eine Budgetkürzung hinnehmen. Heuer jedoch ist die Situation noch viel dramatischer: da im Gegensatz zu den Vorjahren keine Sondermittel des Rates für Forschung und Technologieentwicklung zur Verfügung stehen und auch die Mittel aus dem Bildungsministerium BMBWK gekürzt werden, ist das Budget für 2003 um 18.1% oder 16,7 Mio. Euro zurück gegangen (Quelle: FWF homepage). Im Falle einer Kürzung des Bugdets des BMVIT droht sogar ein noch stärkerer Einbruch.
Weiters wird die Situation dadurch verschärft, dass im Zeitraum Jänner bis Mai 2003 um 20 % mehr Anträge für Forschungsprojekte beim FWF eingelangt sind als im Vorjahr, was Präsident Wick so kommentiert:
"Die Antragsflut spiegelt das von vielen Seiten erwünschte Bemühen der Universitäten wider, mehr Drittmittel einzuwerben. Es ist unakzeptabel, dass gerade zu diesem Zeitpunkt die Födermittel drastisch reduziert werden."
Weder auf der Homepage des Bildungsministeriums noch auf der vom BMBWK eingerichteten Seite www.weltklasse-uni.at findet sich zu der derzeit herrschenden Situation ein Hinweis. Im Gegenteil, auf letzterer wird nur auf jene 509 Mio. Euro an Sondermitteln verwiesen, die die Bundesregierung (im Jahr 2001) für eine "Forschungsoffensive" bereitgestellt hat und welche auf Empfehlung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung vergeben werden. Weiters wird die Steigerung der Forschungs- und Entwicklungs-Quote (F&E-Quote) auf 1.95% im Jahr 2002 bejubelt, sowie eine neue Tranche an Sondermitteln für den Zeitraum 2004-2006 in Aussicht gestellt. Das Jahr 2003 wird nicht erwähnt.
Ganz anders auf der Homepage des Rates für Forschnung und Technologieentwicklung www.rat-fte.at: dort findet sich im Dokument 2.5%+plus Wohlstand für Forschung und Innovation unter Punkt 5.2 zu eben jenen Sondermitteln, die nun offensichtlich bereits gebunden sind:
"Unabhängig von den erst zu einem späteren Zeitpunkt möglichen Ergebnissen derartiger Analysen [der Auswirkung der durch die Sondermittel finanzierten Massnahmen, Anm.] müssen, wie die Modellrechnungen deutlich zeigen, bereits ab 2003 zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen, da ansonsten das Erreichen des forschungspolitischen Zieles einer F&E-Quote von 2.5% des BIP bis 2005 unmöglich ist."
Man kann nur hoffen, dass diese Erkenntnis bald bis in die relevanten Kreise vordringt und die fehlenden Mittel - spät, aber doch - noch bereitgestellt werden. Oder ist das Projekt "Erhöhung der Forschungsquote" bereits still und heimlich begraben worden?


