Am Fermilab in Chicago wurden die schwachen Wechselwirkungen der Neutrinos mit Materie mit bisher unerreichter Genauigkeit vermessen, mit dem überraschenden Result, dass Neutrinos die schwachen Wechselwirkungen um etwa 1% schwächer spüren als alle anderen Elementarteilchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die neuen Ergebnisse am Fermilab durch bloße statistische Fluktuationen erklärbar sein könnten wird auf 1:400 geschätzt. Neben den jüngst gefundenen Neutrinooszillationen wäre dies ein weiterer Hinweis auf neue Physik jenseits des Standardmodells.
Beim NuTeV-Experiment am Fermilab bei Chicago wird beobachtet, in welchem Verhältnis ein Neutrino bei Wechselwirkungen mit den Atomkernen eines riesigen Sandwiches aus Eisenplatten und Detektoren in ein Muon umgewandelt wird oder ein Neutrino bleibt. Dieses Verhältnis wurde mit anderen Elementarteilchen schon früher mit großer Genauigkeit gemessen und ist ein fundamentaler Parameter des Standardmodells der Elementarteilchenphysik, der angibt, wie elektromagnetische und schwache Kräfte in Beziehung stehen. Die Neutrinos tanzen den NuTeV-Resultaten zufolge hier ein klein wenig aus der Reihe, und lieferten mit der kleinen Abweichung von 1%, wenn sich dies in weiteren Experimenten in der Zukunft bestätigen sollte, einen großen Beitrag für eine Weiterentwicklung der Elementarteilchenphysik.
Tatsächlich wurden auch am inzwischen abgeschaltenen LEP-Experiment am CERN schon analoge Diskrepanzen beobachtet, wenn auch mit weniger starker Signifikanz: 
Hier bedeuten die waagrechten Balken die abgeschätzte experimentelle Unsicherheit für neue Physik = Abweichung von der theoretischen Vorhersage nach dem ansonsten mit extremer Genauigkeit bestätigten Standardmodell der Elementarteilchenphysik.
Auf alle Fälle lassen diese neue Ergebnisse aufregendende neue Physik am Genfer LHC (dem Nachfolger des LEP-Experimentes) erwarten, wenn dieser 2006 beginnen wird, nach solcher zu forschen.
Detailliertere Erklärungen (in Englisch) direkt von NuTeV-Wissenschaftlern


