Mein Name ist Harry Halas. Ich bin schon seit frühester Jugend von der Astronomie fasziniert und habe sie deshalb auch zu meinem Beruf gemacht. Seit Herbst 2000 arbeite ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Planetarium Wien, d.h eigentlich verbringe ich die meiste Zeit über als Multimediaspezialist. Aber alles der Reihe nach...
Zu Anfang stand ein Besuch im Wiener Planetarium - ich war sieben und hörte bei Professor Mucke "Der Mond beim Schneider". Der Sternenhimmel zog mich sofort in seinen Bann und meine Eltern konnten meine Fragen bald nicht mehr beantworten. Meine speziell naturwissenschaftliche Ausbildung konnte ich mir zunächst nur über die Chemie holen, da es in Wien keine Schule für Astronomie gab. Meine Reifeprüfung legte ich somit im Fachbereich Technische Chemie der HBLVA Rosensteingasse ab. Da man mir zu Beginn meines Astronomiestudiums keine großen Aussichten auf eine Stelle im Bereich Astronomie bot, beschloss ich damals meine naturwissenschaftliche Ausbildung mit Technischer Physik zu ergänzen, um so meine Chancen zu vergrößern. Neben meinem Studium begann ich an der Kuffner Sternwarte zu jobben, so gelangte ich rasch zur praktischen Anwendung meines im Studium erworbenen Wissens, und erhielt so nebenbei auch noch Schulungen in Didaktik und Präsentationstechnik. Das allein machte mich aber noch nicht glücklich, denn eigentlich zog es mich schon immer eher zur Raumfahrt hin. Dieser Umstand führte mich schließlich zum Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der TU München. Im Rahmen meiner Diplomarbeit befasste ich mich dort mit der Messung von Staubteilchen im Weltraum - "Entwicklung eines Massenspektrometers zur Mikrometeoroidendedektion". Meine Aufgabe war es den bereits auf der japanischen Raumsonde NOZOMI implementierten "Mars Dust Counter" um ein Massenspektrometer zu erweitern. Danach sollte es möglich sein von einem einschlagenden Staubteilchen sowohl Informationen über die Masse, als auch über die Zusammensetzung zu erhalten.
Am Ende meiner Diplomarbeit stellte man mir dann eine Doktorarbeit bei der NASA in Aussicht. Ich schien am Ziel meiner Träume. Denn seit ich im Sommer 1997 an einer Sommerschule zum Thema Mars im Jet Propulsion Laboratory des NASA teilgenommen hatte, war es mein Wunsch gewesen, dort hin zurückzukehren, um wissenschaftliche Forschung zu betreiben. Doch just da kam ein schicksalhafter Anruf aus Wien. Eine Stelle im Planetarium Wien war plötzlich frei geworden. Eigentlich war ich gedanklich schon in den USA. Aber das Angebot war einfach zu verlockend, zumal ich damals nebenbei im Planetarium München gejobbt habe und insgeheim davon träumte diese Arbeit eigenverantwortlich in Wien machen zu können. Ich brauchte keine zweimal nachzudenken, um herauszufinden, dass dieser Job genau zu mir passt. Seit dem Herbst 2000 bin ich dort nun für Gestaltung und Ablauf des Programms und für wissenschaftliche Anfragen zuständig. So hat sich der Kreis geschlossen.

Zunächst waren die Vorstellungen im Planetarium Wien Schwerstarbeit. War ich in Deutschland in einem der modernsten Planetarien tätig gewesen, stand ich nun in einer Kuppel, die sich seit fast 40 Jahren kaum verändert hatte. Das Steuerpult war riesig, und im Fastdunkel nur unter Schwierigkeiten zu bedienen. Der Zeiss-Projektor IV war ein riesiges, unhandliches Teil, und durch seine analoge Steuerung dazu auch noch recht unflexibel - dauerte es doch sechseinhalb Stunden um den Himmel um 2000 Jahre zu verstellen. Es gab nur 2 Computer im ganzen Haus und die waren weder miteinander vernetzt, noch ans Internet angebunden. Trotzdem machte mir diese Arbeit auch damals schon Spaß. Jede Vorstellung war live und damit ein Unikat.
Abb. 2: Innenansicht des Planetariums im Jahr 2000
Im Frühjahr 2001 begann dann eine eineinhalb jährige Umbauphase, in der Technik und Einrichtung der Kuppel vollkommen neu gestaltet wurden. Statt des PVC-Bodens wurde ein Teppich gelegt, die Sitze wurden durch neue bequemere ersetzt, das Zeiss-Model Nr. IV musste dem modernsten Modell, dem Zeiss Universarium IX, weichen, insgesamt 24 Diaprojektoren fanden im Wiener Planetarium eine neue Heimat und mit dem Laser-Videoprojektor ZULIP kam eine Weltneuheit ins Planetarium, die auch heute noch nach ihres gleichen sucht. Das Zeiss-Universarium IX ist im Gegegensatz zum Modell IV ein kleines, digital gesteuertes Gerät - der Sprung über 2000 Jahre dauert nun nur noch wenige Sekunden. Damit sind natürlich ganz neue Möglichkeiten für Shows gegeben. Modernste Glasfaseroptik leitet das Licht von einer 450W starken Bogenlampe zu den Öffnungen an der Kugel. Rund 9100 Sterne, die sogar funkeln, und einige Deep-Sky-Objekte werden so auf die Kuppel projiziert. Diese Technik schafft so ein täuschend echtes Bild, dass der Eindruck ensteht als würde man unter dem wirklichen Sternenhimmel stehen. Mit den Diaprojektoren können unter anderem Panoramen an den Horizont der Kuppel gezaubert werden. So glaubt man zum Beispiel auf dem Mars zu stehen oder dem Neptunmond Triton. Die Laserbildprojektion des ZULIP beruht auf der Ablenkung eines Laser-Strahls. Als Lichtquelle dient eine Lasereinheit mit drei Wellenlängen für die Farben Rot, Grün und Blau. Mittels eines Scanners der einen Polygonspiegel mit 25 Flächen beinhaltet, der mit über 1.000 Umdrehungen pro Sekunde rotiert, wird der Laserstrahl so abgelenkt, dass Punkt für Punkt ein Bild auf der Planetariumskuppel aufgebaut wird. Dabei bewegt sich der Laserpunkt mit einer Geschwindigkeit von rund 90 Kilometern pro Sekunde über die Projektionsfläche. Das Bild entsteht erst im menschlichen Gehirn, das die extrem schnell erzeugten Einzelpunkte zu einem Gesamteindruck zusammensetzt. Der Laser besticht durch ein derart brilliantes, farbintensives und kontrastreiches Bild, dass er mit den anderen Geräten zusammen den Eindruck eines über die gesamte Kuppel projizierten Filmes erweckt. Werden ZULIP und Zeiss-Universarium IX bewegt, glaubt man durch das Welltall zu reisen und zum Beispiel um einen Planeten zu fliegen. Natürlich kann solch eine Anlage nicht mehr per Hand gesteuert werden. Drei Computer sind nötig um das gesamte Multimediasystem zu steuern. Einer übernimmt die Gesamtsteuerung des Showablaufs. Er generiert einen Timecode auf den sich die beiden anderen Rechner synchronisieren und steuert alle Geräte, außer das Zeiss-Universarium. Das sind 2 DVD-Player, die Dia-Projektoren und je ein Mischpult für Licht und den guten Ton. Ein weiterer Computer ist allein mit dem Sternenhimmel und all seinen Raffinessen befasst. Der dritte Computer gibt einen 5.1-Surroundsound in die Kuppel aus. Das ganze System wird mit einer Steuerungssoftware von Jematic zusammengeschalten.

Mit dem Umbau des Hauses ging auch eine Umgestaltung des Planetarium-Programms einher. Meine Aufgabe war es nun, dem System Inhalt zu geben und es so zu beleben. So gelangte ich in die Rolle des Show Producers. Etwa ein dreiviertel Jahr dauert es ehe ein großes Planetariumsprogramm fertig gestellt ist. Nachdem es eine erste Idee zum Inhalt der Show gibt, erstelle ich einen Zeitplan für die gesamte Produktion. Dann bastle ich mit Kollegen, manchmal aber auch alleine, an einem Drehbuch - das ist ein schwieriger Teil, da es nicht immer möglich ist spontan kreativ zu sein. Viele Dinge werden ausgelagert - so lassen wir spezielle Illustrationen sowie Animationen aber auch den gesamten Ton außerhalb des Planetariums produzieren. Die Illustrationen werden von uns danach zu Dias verarbeitet oder zu kleinen Bildfolgen zusammengeschnitten. Die Animationen werden zusammen mit den Bildfolgen zusammengefügt und auf eine DVD gebrannt. Die Sprecher für die Show nehmen wir in einem Tonstudio auf.

Für die Musik zur Show greifen wir im allgemeinen auf schon bestehendes Material z.B. aus Filmen zurück - ich wähle sie gemeinsam mit dem Tontechniker und einem freien Mitarbeiter aus. Das dauert manchmal ein paar Tage. Wir treffen uns, jeder mit einem Stapel CDs. Alles in allem ist es eine lustige Angelegenheit. Damit auch alles zur richtigen Zeit passiert muss der Showablauf vorprogrammiert werden und zwar gesondert für den Zeiss-Sternenprojektor und die Geräte, die an der Jematic-Steuerung hängen. Das dauert in etwa zwei Monate. Da ich auch die Regie führe, muss ich während der ganzen Produktionsphase ständig alle Bereiche überblicken und miteinander abstimmen. Manchmal ergeben sich ungeahnte Probleme, sodass das Drehbuch einem ständigen Wechsel unterworfen ist. Am Ende einer Produktion wird es eigentlich immer eng. Egal wieviel Zeit ich für die letzten Arbeitsschritte einplane, die Zeitvorgaben werden oft nicht eingehalten und es sind Nachtschichten notwendig um den Premierentermin einzuhalten.
Neben der Produktion darf der laufende Betrieb natürlich nicht zum Erliegen kommen, was oft gar nicht so leicht ist, da die Zeit oft knapp ist wenn die aberwitzigsten Dinge passieren. Seit dem Herbst 2002 haben wir nun schon einige Shows auf die Beine gestellt. Dabei reicht das Repertoire von einfachen Märchen für Kinder über Einsteigerastronomie für Schulen bis zu Programmen, die sich mit speziellen Gebieten wie z.B. dem Mars oder dem Himmel über der Südhalbkugel befassen. Zudem findet jeden Freitag Abend um 19:00 Uhr eine livemoderierte Show statt, die den aktuellen Sternenhimmel und ein monatlich wechselndes Thema behandelt. Ja es gibt sie immer noch, die gute alte Liveshow. Die neue Technik hat sie nicht verdrängt, wir haben das Programm nur angepasst. Die Anzahl unserer Shows wächst stetig - die Ideen gehen uns noch lange nicht aus - meine Schublade ist voll davon.
Mein Beruf scheint mich von dem, was einmal meine Berufung war, weit entfernt zu haben, denn eigentlich bin ich die meiste Zeit über als Multimediaspezialist tätig. Bilder zu bearbeiten, Animationen zusammenzuschneiden und Soundfiles zu mischen macht mir aber auch eine Menge Spaß. Meine Arbeit verbindet Kreativität mit Wissenschaft und ist überdies ungeheuer abwechslungsreich. Außerdem verbringe ich einen nicht zu vernachlässigenden Teil meiner Arbeitszeit mit astronomischen Anfragen aller Art. Sei es dass es ein unbekanntes beobachtetes Phänomen aufzuklären gilt, Infos zu bestimmten astronomischen Gebieten gewünscht sind, oder Berechnungen gebraucht werden. Manches ist recht knifflig, die eine oder andere Begegnung der dritten Art erweist sich für die anfragende Person als Enttäuschung. Nicht alle wollen das auch gleich wahr haben. Oh, als rundum Science Fiction Fan und "Star Trek"-Hardcorejunkie wäre mir nichts lieber als dass außerirdisches Leben endlich gefunden werden würde, auch wenn es sich dabei nur um Mikroben handeln sollte. Aber, ... naja. Die schwierigsten Fälle sind für mich tiefgläubige Astrologen, die mich auf die dunkle Seite der Astronmie bekehren wollen. Ja, zu leicht sie verführen kann weil so viele Hoffnungen sie macht. Doch hüten muss er sich der Astronom - nicht schwach werden darf er, selbst wenn das schnelle Geld lockt und medienwirksame Auftritte in Funk und Fernsehen Ruhm und Reichtum versprechen. ... Nun gut, jeder wie er mag. ... Oder vielleicht jeder wie er kann? ... *ggg*
So wechsle ich meine Haarfarbe beinahe so oft wie der Mond für den Lauf um die Erde benötigt und freue mich immer über den Sternenhimmel im Planetarium, auch wenn es draußen eigentlich Tag ist, es stürmt oder regnet.
Jedes Jahr im Sommer nehme ich mir allerdings drei Wochen Auszeit vom Planetarium und widme mich der Betreuung von Kindern im Kinderdorf Gresten. Ja auch wenn es manche nicht glauben wollen, aber für mich ist das die perfekte Erholung. Drei Wochen Spaß, Blödeln und alles außer konzentriert arbeiten. Mit Kindern kann ich besonders gut. Nun, das wird mir zumindest nachgesagt. Manche gehen sogar so weit und meinen das läge daran, dass ich selbst noch ein Kind sei. ... Ja, wer weiss. *ggg*
Wer sich davon selbst ein Bild machen will, kann mich am 14. Juni um 12:00 Uhr in der Sendung "Zirkus um Confetti" im ORF 1 bewundern.
see ya, somewhere in spacetime ...
Kontakt:
mail: hhalas@planetarium-wien.at
Tel.: (01) 729 54 94 / 13
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